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Körperwelten

die Ausstellung ist nicht neu, und die Diskussion darüber ebenso. Was sagt man dazu, dass echte Menschen in Plastik konserviert ausgestellt werden?

Sicherlich keine leicht zu bewertende Sache.
Ich verfolge ein meinem Leben oft den Grundsatz: Wenn du eine Meinung haben willst, such dir deine eigene!
Heißt: Auch wenn ich von anderen gute und richtige Meinungen/Argumente höre, kann ich mich zwar anschließen, aber um mir wirklich meine eigene Meinung zu bilden, braucht's eben manchmal eigene Erfahrung.
Und diesem Grundsatz folgend, habe ich mir die Ausstellung gestern angesehen.

Die Erwartung war schwer zu definieren. Ich wusste ja nicht so genau, was es zu sehen geben würde. Ich versuchte mir auszumalen, wie die ausgestellten Menschen wohl aussehen würden? Würde man wirklich sehen, dass die wirklich mal gelebt haben? Würde ich mich gruseln? Ekeln?
Und was würde überhaupt alles zu sehen sein?

Nach überraschend kurzer Wartezeit wurden wir in die dunkle Halle eingelassen.
Aufgebaut ist die Ausstellung, so, wie unser Leben verläuft. Von Geburt bis zum Tod, mit allem, was dazwischen kommen kann.
Es fing also gleich mit dem an, wovon ich befürchtet hatte, dass es mir richtig schwer im Magen liegen würde. "Das Leben beginnt" - der Mensch im Mutterleib. Es waren erstaunlich viele kleine Embryonen in den verschiedensten Entwicklungsphasen, von erster Woche, bis 22. Woche ausgestellt.

Was mich gleich gewundert hat, war, dass kaum wahrzunehmen war, dass man da echte Lebewesen vor sich hatte. Durch die Art der Konservierung wirkte alles sehr unecht, wie Puppen.
Sicherlich nicht falsch - es waren erstaunlich viele Kinder unter den Besuchern der Ausstellung, aber ich hatte es anders erwartet - und gewünscht.

Es folgten viele Exponate, die zeigten, wie die einzelnen Bauteile unseres Körpers zusammen spielen. Welche Muskeln werden bei bestimmten Bewegungen beansprucht, welche Nerven laufen wo lang...
Da es recht viele solcher Exponate gab, wurde das leider bald langweilig.
Auch hier hatte man nicht das Gefühl einem Menschen gegenüber zu stehen, der tatsächlich mal gelebt hatte. Es sah alles aus, wie eine 3D-Darstellung der Bilder, die man aus guten Bio-Büchern schon kennt.

Dann der Abschnitt mit einzelnen Organen. Dort wurde es wieder interessant: Gesunder Organe vs. kranke. Raucherlunge, von Krebs befallene Organe, die Milz eines Menschen mit Leukämie. Sicherlich interessant, mit manchem aha-Effekt, aber wieder das angucken von Plastik-Klötzen.

Zu den einzelnen Ausstellungsthemen gab es immer wieder große Text-Tafeln, mit Infos, die aber nicht viel Neues verrieten, sich oft wiederholten, und insgesamt zu oft den erhobenen Zeigefinger beinhalteten.

Das wirkte ein wenig, wie ein Rechtfertigungsversuch für die ganze Aktion, die meiner Meinung nach doch daneben ist.
Die Wissenschaftlerin in mir war größtenteils enttäuscht so wenig Neues zu lernen (Ausnahmen: die Scheiben, in denen man wirklich gut sehen konnte, wo welche Organe liegen, wie sie aussehen,... ; Das Nervensystem, von Gehirn bis zur letzten Nervenspitze, das völlig aus einem Körper herausgeschnitten war,...), die kritische Menschenfreundin fand die Ausstellung nicht beeindruckend und lehrreich genug, um wirklich zu rechtfertigen, Menschen so zu konservieren, und "begaffen" zu lassen.

Einen bleibenden negativen Eindruck hinterließ neben der anstrengend lauten und kalten Klimaanlage, dem viel zu engen Aufbau, und rücksichtslosen Besuchern, auch die ein, oder andere Aufmachung der Exponate. Krönender "Höhepunkt" ein "Weihnachtsmann" auf einem Schlitten. Davor gehäutete Rentiere, und der Mensch aufgeschnitten, und "Expandiert". An sich eine tolle Idee, den Körper so herzurichten, dass man die Schichten im einzelnen sehen kann, aber trotzdem sieht, wie sie zueinander gehören und übereinander liegen. Aber wozu so eine Aufmachung? Das ist unnötig!

Meine eigene Meinung sieht also aus, wie folgt:
Gut, dass ich's mir angesehen habe - ich weiß, dass ich nichts verpasst hätte, wenn ich's nicht getan hätte. Klingt komisch, ist aber so. Es ist nicht so, als hätte ich das Gefühl mein Geld zum Fenster heraus geworfen zu haben, und denke, dass jeder, der Interesse hat sich das ganze ruhig ansehen sollte. Wer's nicht tut, verpasst aber auch nichts.
Und der menschliche Aspekt: Durch die Aufbereitung der Körper wirkt alles sehr unrealistisch - echte Körper zu benutzen macht so für mich keinen Sinn. Derselbe Effekt kann auch mit völlig künstlichen Exponaten erzielt werden. Das ist schade, ich hätte wesentlich mehr erwartet, vor allem, hatte ich einen gewissen "Schlag-in-den-Magen-Effekt" bei gewissen Themen (Gesundheit, Schwangerschaftsabbruch) erwartet, der mit dieser unecht wirkenden Darstellung nicht erzielt werden kann.

Fazit: Ich hatte die ganze Geschichte durchaus als Chance angesehen, an das Gewissen der Besucher zu appellieren. Diese Chance wurde allerdings kläglich vertan. Dadurch sehe ich dann auch keine Rechtfertigung mehr für die ganze Aktion.
8.2.09 11:35
 


bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Silke (8.2.09 16:51)
Hm, bei mir ist es schon so lange her, dass ich in der Ausstellung war, dass ich gar nicht mehr genau weiß, was ich damals darüber gedacht hab. Allerdings hab ich mich damit sicher nicht so intensiv auseinandergesetzt wie du. Ich denke aber auch, dass es sicher Alternativen zur Verwendung echter menschlicher Körper gegeben hätte. Waren die Körper für Forschung usw. freigegeben? Es macht ja auch noch einen Unterschied, ob der Mensch einer solchen Verwendung seines Körpers selbst zugestimmt hätte oder nicht. Bei ungeborenen der Kleinkindern ist das natürlich schwer zu beantworten.


isch (8.2.09 19:08)
Es werden nur Körper verwendet, deren Besitzer ausdrücklich vor ihrem Tod ihr Einverständnis geben, dass sie _für diese Ausstellung_ präpariert werden dürfen.


wibi / Website (9.2.09 00:03)
ich war vor 8-10 Jahren auf der Körperwelten-Ausstellung in Köln. Wir waren mit der Schulklasse dort. Und wollten eigentlich eher shoppen alsin die Ausstellung....
Mich erinnerten die Exponate ein wenig an das Wachsfigurenkabinett. Also rein von der Aufmachung her.

Super fand ich, dass damals iN Köln der Bereich, in dem die Kleinkinder ausgestellt waren (und ich glaub auch die schwangeren Frauen), abgetrennt vom Rest waren und man erst hineinkam, wenn man die Warnung vorne vor gelesen hatte.

Ich meine mich erinnern zu können, das uns (damals 16-18 Jährigen) Zettel in die Hand gedrückt wurden, mit denen wir uns bereit erklären konnten, unsere Körper später für das Körperweltenprojekt herzugeben. Dann lieber doch Organe spenden und Menschenleben retten!!!!!

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